Führungskräfte als Coach

Als Coach für Sicheres Auftreten hatte ich Gelegenheit ganz unterschiedliche Führungsstile und- Persönlichkeiten kennenzulernen. Besonders faszinieren mich dabei natürlich die Stimmlich/Sprachlichen Unterschiede.

Da wäre als erstes der AUTORITÄRE Führungsstil.

Führungskräfte, die diesen Führungsstil pflegen, konzentrieren sich vorwiegend auf IHRE Sicht der Dinge- statt sich auch mit den beteiligten Menschen und deren ganz individuellen Kompetenzen konstruktiv zu befassen. Das weckt zwangsläufig Widerstand. Die Mitarbeiter vermissen dann oft die Wertschätzung, sie verrichten ihren Dienst nach Vorschrift und erheben ihre Stimme auch dann nicht, wenn sie etwas Wesentliches oder Wertvolles beitragen könnten.

Die Stimme einer autoritären Führungskraft zum Beispiel klingt eher durchdringend und scharf, duldet keinen Widerspruch und erinnert ein bisschen an den Befehlston beim Militär.

Atem, Stimme und Artikulation zeigen Härte, Enge und Schärfe.

Dann gibt es noch den „LAISSER-FAIRE-STIL“ – wahrscheinlich ist das der Ungeeignetste aller Führungsstile. Er richtet sich weder nach gewissen Aufgaben, noch nach den Mitarbeitern und er bringt diesen auch keine Wertschätzung entgegen. Hier kann man an Stimme und Sprechweise eine gewisse Gleichgültigkeit und Unterspannung feststellen.

Dann gibt es noch so einen KOOPERATIVEN Führungsstil. Dabei kommen die verschiedenen Meinungen und individuellen Eigenheiten der Mitarbeiter mehr zur Geltung. Es steht zwar noch immer fest, wer bestimmt, aber die Mitarbeiter können und sollen mitwirken. Ihren individuellen Kompetenzen wird Wertschätzung entgegengebracht. Die innere Haltung einer solchen Führungskraft ist anerkennend und grosszügig. Sie kann gut delegieren und auch Aufgaben abgeben. Die Stimme reagiert dann mal bestimmt, mal locker- eben situationsgemäss.

Der ANTIAUTORITÄRE Führungsstil gesteht den Mitarbeitern eine grosse Freiheit zu. Dies funktioniert natürlich am Besten bei einem gut funktionierenden Team mit wenig Konfliktpotential. Die Führungskraft behält zwar den Überblick und alle Fäden in der Hand, lässt den Mitarbeitern aber weitestgehend Freiraum. Das spiegelt sich dann oft auch in der Sprechweise- diese ist eher entspannt und locker.

Seit einigen Jahren hat sich aber noch ein weiterer Führungsstil durchgesetzt: die FÜHRUNGSKRAFT versteht sich dann als COACH für die Mitarbeiter.

Viele Führungskräfte absolvieren eine Ausbildung zum Business-Coach und erarbeiten sich damit eine neue Rolle im Unternehmen. Mitarbeitergespräche verlaufen wie ein Coaching-Gespräch, der Chef arbeitet mit offenen Fragen und zeigt Interesse für die Ansichten und das persönliche Erleben des Mitarbeiters. Er schätzt so die Stärken und Schwächen des Mitarbeiters ein und findet gemeinsam mit ihm heraus, wo seine Ressourcen für das Unternehmen liegen. Im Optimal-Fall achtet er auf das Wohlbefinden seines Mitarbeiters und hat seine Work-Life-Balance im Blick. So eine Führungskraft agiert emphatisch.

Die Fähigkeit der Empathie aber setzt voraus, dass sie nicht nur dem anderen, sondern auch sich selbst gegenüber Empathiefähigkeit ist und in der Lage, einen guten Kontakt zu sich selbst aufzubauen.

Über die Stimme bringt der Chef als Coach seinen Mitarbeitern eine hohe Wertschätzung entgegen. Durch das sogenannte PACING (ein NLP-Begriff für die gegenseitige Vertrauensbildung) stellt die Führungskraft sicher, dass beide in Resonanz, also in einem guten und stimmigen Kontakt miteinander stehen- der es dem Mitarbeiter erlaubt, sich zu öffnen. Dies geschieht auch durch die Physiologie der beiden Menschen. Der Chef erkennt auf der Basis seiner eigenen Selbstwahrnehmung den seelischen Zustand seines Mitarbeiters aufgrund der ausgesendeten nonverbalen Signale. Die Stimme kann hier beruhigend, motivierend, deeskalierend oder bestärkend wirken.

Es lohnt sich sowohl für Führungskräfte als auch für Coaches, ein breites Spektrum sprecherischer und stimmlicher Facetten bereitzuhalten. Denn je freier das Instrument ist, desto authentischer und damit überzeugender und im wahrsten Sinne MITREISSENDER sind wir.

Und: natürlich findet das persönliche Charisma und die eigene Glaubwürdigkeit so einen idealen Nährboden um zu wachsen und zu gedeihen.

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